Kinderbuchklassiker von Tomi Ungerer: Crictor – die gute Schlange

Das Frühwerk des gebürtigen Straßburgers Tomi Ungerer ist die ideale Reiseliteratur für Kinder zwischen 5 und 7 Jahren. Ob Eltern oder Großeltern etwa auf einer Zugreise die kurzen Texte vorlesen oder die Kleinen schon selber lesen – die Geschichte fesselt Kinder seit Jahrzehnten. Nicht nur die Texte faszinieren, auch die dezent colorierten Strichzeichnungen sind einfach genial! Die Erstauflage des Buches erschien bereits 1963. Im Jahre 2000 veröffentlichte der Diogenes-Verlag eine Neuauflage.

Eine Schlange als Geburtstagsgeschenk

Der Handlungsrahmen der Geschichte ist schnell erzählt: Madame Bodot, eine Lehrerin, erhält ein von ihrem Sohn ungewöhnlich verpacktes Paket als Geburtstagsgeschenk. Der Sohn beschäftigt erforscht die Lebensweise von Reptilien und so ist für die Dame der Schreck nur von kurzer Dauer als sie feststellt, dass darin eine Königsschlange (Boa Constrictor), im Buch nur Crictor genannt, enthalten ist. Denn das Tier das üblicherweise in Mittel- und Südamerika beheimatet ist, erweist sich als zutraulicher Hausgenosse. Madame Bodot könnte sich ein Terrarium kaufen – aber weit gefehlt! Stattdessen gehen die beiden bei jeglicher Witterung spazieren und das Tier nimmt auch an Unterrichtsstunden der Lehrerin teil. Richtig spannend wird es, als ein Einbrecher in die Wohnung der Dame eindringt …

Tomi Ungerer – ein Workaholic und Kämpfer für die Schwachen

Jean-Thomas (so der korrekte Vorname) Ungerer veröffentlichte rund 150 Bücher, wovon etwa 80 Kinderbücher, darunter auch „Crictor – die gute Schlange“ als Kinderbücher zu bezeichnen sind. Er versteht sich als Kämpfer für Kinderrechte und generell für die Schwachen und Benachteiligten, wozu seiner Meinung auch die Schlangen gehören, die in der Literatur tendenziell eher schlecht wegkommen. Von Tomi Unger stammen weit über 40.000 Zeichnungen. Ein Großteil seiner grafischen Werke, zu denen auch Plakate und architektonische Entwürfe zählen, ist im Musée Tomi Ungerer – centre international de l’illustration in Straßburg zu besichtigen. Er gilt trotz mehrerer gesundheitlicher Rückschläge als unverbesserlicher Workaholic.